Betonkanus: Und sie schwimmen doch!

Sie wiegen nur je gut 35 Kilogramm und sind damit so leicht wie nie zuvor: die beiden neuen Betonkanus, die Studierende des Bachelor-Studiengangs Bauingenieurwesen an der h_da im Sommersemester gebaut haben. Mit ihren Leichtbau-Booten sind die Studierenden Ende Juni in Heilbronn bei der 17. Betonkanu-Regatta gegen weitere Teams aus Hochschulen und Institutionen angetreten. „Ernie“ und „Bert“, so die Namen der beiden Boote, schlugen sich achtbar: Zwar sind die beiden Teams noch vor dem Halbfinale ausgeschieden, dafür haben sie aber den 2. Platz in der Kategorie „Gestaltung“ erreicht.

Tradition hat, dass die Studierenden ihren Booten Namen geben. Mit ihren beleuchteten Betonkanus „Tag“ und „Nacht“ hatte die h_da-Mannschaft bei der letzten Regatta vor zwei Jahren in der Kategorie „Gestaltung“ gewonnen. Auch in diesem Jahr ging das studentische Team mit einem Betonkanu-Duo ins Rennen: „Ernie“ und „Bert“ hießen die neuen Wettbewerbs-Boote für das diesjährige Wasserrennen auf dem Neckar.

  • Seeleute: Die studentische Crew mit ihren Betonkanus „Ernie“ und „Bert“. Namenszuordnung selbsterklärend.

  • Ernie inside: Die Bordausstattung ist spartanisch. Aber die Sache hat Hand und Fuß – also: Kopf und Beine.

  • Hüftschwung: Wie im richtigen Leben unterscheidet sich Berts Bauform erheblich von der seines Kumpanen.

  • Schiffstaufe: Die Besatzung um Professorin Regina Stratmann-Albert ist, dem Anlass angemessen, in Sektlaune …

  • … sieht aber vom Zerschmettern der Flasche am Schiffsrumpf ab. Die Leichtbauboote würden leckschlagen.

  • Trocken- ins Schwimmdock: Auf dem Landweg geht es am 19. Mai vom Baustofflabor in die Wasserbauhalle.

  • Stapellauf, manuell: Bert ist das Gefühl vertraut: Es wird ernst. In einem Becken der Wasserbauhalle wird er zu Wasser gelassen …

  • … und schwimmt! Später auch mit Besatzungsmitglied an Bord. Dichtigkeitstest bestanden. Neckar, wir kommen! Alle bisherigen Bilder: h_da/Samira Schulz

Die Namen der Kanus sind für die Studierenden mehr als nur ein spaßiges Detail. Denn die Namensgeber bestimmen die Bauweise der Boote. „Bert ist als Figur eher schlank, daher haben wir dem Kanu einen schmaleren Bug für Geschwindigkeit und Wendigkeit gegeben“, erläutert der studentische Teamleiter Eric Muth. „In Analogie zum etwas breiteren Ernie zeichnet sich dieses Kanu durch seine gedrungene Form und die hieraus resultierende Schwimmstabilität aus.“ Wichtig war den Studierenden, beide Boote möglichst leicht und zugleich stabil zu bauen. In wochenlangen Tests haben sie mit Betonschichten experimentiert, um die bestmögliche Baustoff-Zusammensetzung zu erreichen.

Beton, GFK und Textilgewebe

Basis eines jeden Betonkanus ist die Schalung. Diese wurde von den Studierenden für „Bert“ aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Vorlage war ein klassisches, ausgedientes Kanu, von dem ein Abdruck genommen wurde. Die Schalung diente dann als Träger für zwei möglichst dünne und zugleich wasserdichte Lagen Beton, die per Spachtel aufgetragen wurden und in die ein flexibles Textilgewebe aus Basaltfasern eingelegt wurde. Diese Bewehrung verhindert, dass der an manchen Stellen nur vier Millimeter dünne Beton bricht.

Bei Ernie entschieden sich die Studierenden für eine unkonventionelle Vorgehensweise: Um das Betonkanu möglichst gedrungen wirken zu lassen, kappten sie das spitze Heck und versahen es mit einer abgeschrägten Rückseite, vergleichbar einem klassischen Segelboot. Das Kanu ist nur vier Meter lang, kürzer durfte es für die Teilnahme an der Betonkanu-Regatta nicht sein. Auch einen passenden Farbanstrich haben die Boote erhalten: Ernie eher rötlich, Bert eher gelblich.

„Was kann Beton? Wie verhält er sich? Mit diesen Fragen beschäftigen sich unsere Studierenden intensiv“, erläutert die betreuende Professorin Regina Stratmann-Albert zum Hintergrund des Projekts. „Sie lernen aber auch, wie wichtig Teamarbeit ist und dass so ein Projekt nur erfolgreich sein kann, wenn es gelingt, eine 13 Personen starke Mannschaft zu koordinieren.“

Autor

Simon Colin
Juli 2019

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