Science Picnic 2026
Es wimmelte in der Villa – und drumherum. Am Weltkindertag hat sich Wissenschaft alles andere als trocken präsentiert, was mitnichten nur am Regen lag. Das erste h_da Science Picnic hat am 20. September mehr als 200 Besucherinnen und Besucher auf die Mathildenhöhe gelockt. Von 14 bis 18 Uhr glichen das Designhaus Darmstadt und dessen Garten einem Bienenstock. Eltern und Kinder kamen, gingen – und blieben dazwischen meist einige Stunden.
Von Daniel Timme, 21.9.2026
Pünktlich zum Beginn der Vorlesung haben sich etwa 40 Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal versammelt. Die regulären Sitzplätze sind belegt, die auf dem Boden liegenden Kissen heiß begehrt. Der Dozent bittet um Ruhe. Uni-Alltag? Von wegen. Wer hier sitzt und lauscht, steckt nicht im Grundstudium, sondern geht zur Grundschule. Studienerfahrung bringen nur die Eltern mit. Prof. Dr. Sven Linow hält eine Kindervorlesung zum Thema Hitzeschutz in Schulen. „Normalerweise dauert eine Vorlesung zwei ganze Schulstunden“, erklärt er zur Begrüßung. „Heute versuche ich es in 15 Minuten.“ Linow hält Wort. Danach steht er den jungen Zuhörenden noch eine Viertelstunde Frage und Antwort.
Die Kindervorlesung spiegelt damit das gesamte Programm: Es wird zwar gelehrt, erklärt und demonstriert, daneben ist aber ausreichend Raum für eigene Gedanken und Ideen. Der jungen Zielgruppe wird deshalb so schnell nicht langweilig. Es gibt Mitmachversuche und Experimente, Angebote zum Malen und Zeichnen, Bauen, Basteln und Gestalten, eine Schatzsuche und ein Quiz.
Überwältigende interne Resonanz
Organisiert und koordiniert hat die Veranstaltung ein Team aus Servicezentrum Forschung und Transfer (SFT) und Fachbereich Media der h_da. „Wir hatten die Idee für das Format und haben intern per E-Mail die Resonanz abgeklopft“, blickt Iris Rubinich, Transferreferentin im SFT, zurück. „Innerhalb weniger Wochen haben sich sehr viele Fachbereiche mit tollen Ideen gemeldet und sich zum Mitmachen bereit erklärt. Das war überwältigend!“
Dieses Engagement schlägt sich beim Science Picnic in einem vielfältigen Angebot nieder. Professorinnen und Professoren, Lehrende und Studierende aus neun Fachbereichen sowie weiteren Initiativen und Einrichtungen der h_da präsentieren kleine, für die Gäste gut (be-)greifbare Ausschnitte aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Mit Projekten und Einrichtungen vertreten sind: Bau- und Umweltingenieurwesen, Chemie- und Biotechnologie, Elektrotechnik und Informationstechnik, Gesellschaftswissenschaften, Gestaltung, Informatik, Maschinenbau und Kunststofftechnik, Media und Wirtschaft, außerdem das Kompetenzzentrum Nachhaltige Entwicklung (KNE). Ermöglicht wird das Event auch durch das Sponsoring der Merck KGaA sowie der Sparkasse Darmstadt und Dieburg.
Das erste Wissenschafts-Picknick der h_da kommt sehr gut an. Dabei ist das Wetter wenig picknickfreundlich: Kurz nach Beginn setzt Regen ein. Ob es gerade tröpfelt oder schüttet, interessiert den wissenschaftsbegeisterten Nachwuchs aber wenig. Die Kinder probieren aus, lassen sich Dinge zeigen und erklären, stellen kluge, originelle Fragen und machen kreative Vorschläge. Ausgestattet mit Zettel und Stift gehen sie auf Biodiversitäts-Schatzsuche im Garten, finden, zählen und bestimmen Pflanzen oder tüfteln eifrig am Science-Quiz.
Im Designhaus und in den Pavillons im Garten experimentieren Kinder mit Pipette und Reagenzglas und lernen dabei etwas über Photosynthese oder Wasseraufbereitung. Die Stadt der Zukunft bauen oder den Lieblingsort bei Hitze gestalten? Dafür liegen LEGO Steine, Knete und Buntstifte bereit. „Sense the Nature“ des SPARK MakerLab bietet Experimente mit Sensoren und Elektronik. Und einige Meter weiter integriert ein Angebot Hard- und Software: Hier können die Kids einen LEGO SmartTrain programmieren und zum Fahren bringen.
Mini-Regenwälder to go
„Unsere 100 mitgebrachten Einmachgläser waren schnell weg“, sagt Mateo Brecic, der gemeinsam mit Louis Rittersberger vor knapp einem Jahr „Modolino“ gestartet hat. Mit ihren Do-it-yourself-Experimenten erreichen die beiden jungen Darmstädter über Social Media inzwischen zigtausend Eltern und Kinder. Ihr heutiges Projekt: Flaschengärten. Wo vor Kurzem noch Gewürzgurken oder Schattenmorellen schwammen, wachsen nun Mini-Regenwälder: Die Kinder gestalten ihre eigenen Flaschengärten, die sie dann zu Hause weiter hegen, pflegen und beobachten können.
„Ich bekomme kaum mit, was in den Pavillons nebenan angeboten wird, weil ich durchgehend belagert bin“, sagt Jenny Rink, die Gründerin von „Tapari“, lachend. Fasziniert testen die kleineren Gäste ihre interaktive Spielmatte, ein Hörspiel-Abenteuer rund um einen Drachen, dessen Verlauf die Kinder selbst steuern können. Auch diese eher entschleunigenden Angebote finden guten Anklang. Drinnen im Ruheraum sitzen oder liegen Kinder und Eltern und entspannen sich bei der Audio- und Videoinstallation eines Media-Studenten. Ein Stockwerk höher spazieren ein humanoider Roboter und ein Roboterhund ferngesteuert durch einen Raum. Viele Kinder staunen und lachen – andere gruseln sich etwas und erkunden dann lieber, was es treppab so zu entdecken gibt.
Begeisterung auf beiden Seiten der Tische
„Alle strahlen und es macht ihnen Freude“, beobachtet Prof. Dr. Nicole Saenger, die Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Nachhaltige Entwicklung der h_da. Schmunzelnd ergänzt sie: „Ich habe den Eindruck, die Kolleginnen und Kollegen hinter den Tischen haben mindestens so viel Spaß wie die Kinder und ihre Eltern davor.“ Offenbar ist die Begeisterung gleichmäßig verteilt. Die meisten der mehr als 200 großen und kleinen Gäste, die während der vierstündigen Aktion zum Designhaus pilgern, bleiben länger. Viele Eltern sind bei dem Schmuddelwetter für den Kaffee dankbar und das Kuchenbuffet ist gegen 17 Uhr ratzeputz leergegessen.
Am Ende des Science Picnics ist die Pinnwand der „Black Box“, dem Stand der Mitmach- und Dialog-Aktion, mit bunten Zetteln übersät. Darauf haben Kinder eigene Ideen aufgezeichnet und beschrieben. Dort ist alles möglich. Rollende Betten bringen schläfrige Kinder zur Schule, fahrende Häuser befördern Menschen ans Meer; Süßigkeiten sind gesund, ein Kaugummi ersetzt das Zähneputzen und mobile Windräder gehen selbstständig dorthin, wo gerade der Wind bläst. Das Verständnis für viele Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist offenbar schon da. An innovativen Lösungsansätzen mangelt es nicht. Die Details wird der wissenschaftliche Nachwuchs in einigen Jahren selbst ausarbeiten.
Kontakt zur h_da-Wissenschaftsredaktion
Christina Janssen
Wissenschaftsredakteurin
Hochschulkommunikation
Tel.: +49.6151.533-60112
E-Mail: christina.janssen@h-da.de
Fotografie: Markus Schmidt
Volles Programm
Das gesamte Programm des 1. h_da Science Picnics am 20.09.2026 zum Nachlesen: https://h-da.de/transfer/science-picnic.