Springschool für Design
Ist ein Designstudium etwas für mich? Gelegenheit, das herauszufinden, bietet die Springschool „identify“ am Fachbereich Gestaltung der h_da auf der Mathildenhöhe. Junge Designinteressierte probieren sich hier in einem mehrtägigen Workshop kreativ aus. Dabei lernen sie auch Labore, Werkstätten und Studios des Fachbereichs und die Studiengänge Industriedesign und Kommunikationsdesign näher kennen. impact war beim aktuellen Springschool-Workshop mit dabei.
Von Simon Colin, 15.4.2026
Flink huschen die Stifte über das Papier. Linien formen sich, Rechtecke und Raster, Figuren, Gegenstände und Symbole. Hochkonzentriert lassen die jungen Leute ihrer zeichnerischen Intention freien Raum. Der Weg ist das Ziel. Transformation lautet das Stichwort, das Springschool-Leiterin Prof. Sabine Winkler den Teilnehmenden für heute mitgegeben hat. Und hierzu sollen sie nun etwas entstehen lassen: zunächst auf dem Papier, dann als Modell.
„Der eigentliche Designprozess beginnt beim Denken und Ausprobieren“, weiß Sabine Winkler. Den Teilnehmenden der Springschool gibt sie daher genügend Zeit, sich einem Thema anzunähern. „Wir möchten sie hier in das gestalterische Denken hineinbringen, das eine Mischung aus abstraktem und sehr konkretem Vorgehen ist.“ Motto des diesjährigen Workshops ist „Schichten/ Ebenen/ Dimensionen“.
3D-Design aus Papier
Für die jungen Menschen ist speziell die abstrakte Denkweise noch neu. „Zu Beginn haben wir noch sehr realistisch gedacht und uns beim Stichwort Schichten zunächst eine Zwiebel vorgestellt“, erläutert Luciana. „Doch mehr und mehr kommen wir inzwischen vom Naheliegenden zum Freien.“ So geht es auch Gilles. Er steht an einem der Arbeitstische und legt sich eine Papierkonstruktion auf den Arm, die an einen Schuppenpanzer erinnert.
„Wir hatten uns zum Stichwort Transformation zunächst überlegt, dass ja auch der Mensch aus verschiedenen Schichten besteht“, erklärt er. „Und je besser wir einen Menschen kennenlernen, desto mehr durchdringen wir seine Schichten“. Irgendwann kam ihnen dann der Gedanke einer Schutzschicht und so entwarfen sie aus Papier eine Art Samurai-Rüstung. „Wir lernen hier, nicht nach dem Einfachen zu streben, sondern in die Tiefe zu gehen“, bringt es Gilles auf den Punkt.
So geht es auch Amelie, Roja und Valentin. Sie bringen verschiedene Linien zu Papier, ordnen und gruppieren sie, daraus entsteht nach und nach eine Art Gitterform. „Wir überlegen gerade, wie wir hieraus einen 3D-Körper entstehen lassen“, erklärt Amelie. Sie reißen Papierschnipsel heraus, falten, schichten und positionieren sie, bis sie eine Struktur gefunden haben, die sich flexibel stauchen und strecken lässt. Schließlich entsteht hieraus die erste kleine Papier-Designprobe eines flexiblen, lamellen- und fächerähnlichen Tisches, den man platzsparend zusammenklappen kann. Transformation gelungen.
Siebdruck auf T-Shirts
Eine Etage tiefer tummeln sich ein paar Teilnehmende bei Ericson Krüger in der Siebdruckwerkstatt. Sie stehen um einen Tisch, auf dem unzählige Siebdruckzeichnungen übereinandergestapelt liegen, die vor Formen- und Farbreichtum nur so strotzen. Entworfen haben die Motive Studierende, die zu Beginn ihres Studiums den Siebdruck kennenlernen und zunächst einmal in Grundkursen künstlerische Zeichnungen anfertigen. Diese werden dann auf ein Sieb angebracht und belichtet.
Ericson Krüger steht vor einem riesigen Apparat, der an ein großes Metallfenster erinnert: der Belichtungstisch. Exemplarisch holt er ein Sieb aus einem der zahlreichen Schränke, positioniert Sieb und Zeichnung auf dem Belichtungstisch und demonstriert dann, wie beide in ein Vakuum versetzt werden. Im Belichtungsbecken wird das Sieb schließlich gewaschen und dann getrocknet. Jetzt kann man damit drucken. Zum Beispiel auf T-Shirts. Ericson Krüger zeigt, wie die Shirts aufgespannt werden und dann per Handarbeit der Farbdruck aufgebracht wird. „Mir gefällt, wie frei man mit der Siebdrucktechnik arbeiten kann“, sagt Jakob, der dabei auf sein T-Shirt zeigt. „Auch das hier ist Siebdruck.“ In seiner Schule hat er die Technik bereits kennengelernt und ausprobiert.
Produkte anfassen und verstehen
Vielen Springschool-Teilnehmenden gefällt der direkte Einblick in die Werkstätten und Labore und somit auch in das anwendungsorientierte und interdisziplinäre Designstudium an der h_da. Werkstattleiter David Behre führt die jungen Leute durch die Räume und vorbei an den zahlreichen Maschinen. „Hier in der Werkstatt werden Designmodelle und Prototypen hergestellt“, erläutert er. „Das Besondere bei uns ist, dass die Studierenden noch selbst an den Maschinen arbeiten. Wenn man ein Produkt anfasst, versteht man es viel besser.“
Auch im „Human Factors Lab“ geht es um Verstehen und Begreifen. Und zwar in der Gestaltung und Entwicklung von Produkten, Systemen, digitalen Technologien und Anwendungen und wie Menschen sie nutzen. Im Lab wird erforscht, wie Design Infos über menschliches Verhalten, menschliche Fähigkeiten und Barrieren erfassen und analysieren kann. Im Rahmen der Springschool erhalten die Teilnehmenden auch einen Einblick in dieses Labor.
Dies alles trägt dazu bei, dass sich die Teilnehmenden ein Designstudium nun viel besser vorstellen können. „Wir haben hier geübt, abstrakt zu denken und daraus eigene Ideen zu entwickeln“, sagt etwa Marlene. „Bei abstraktem Denken hat man viel Interpretationsspielraum“, gefällt Robin besonders gut. Zum Abschluss der Springschool erhalten alle Teilnehmenden ein Zertifikat, die entstandenen Arbeiten werden im Foyer des Fachbereichs Gestaltung ausgestellt. Etwa jeder vierte Teilnehmende beginnt dann auch ein Studium des Industriedesigns oder Kommunikationsdesigns auf der Mathildenhöhe. Das zeigt die Erfahrung aus den vorangegangenen Springschools, sagt Prof. Sabine Winkler. Der Workshop hilft somit nicht nur beim abstrakten Denken, sondern auch ganz konkret bei der Studienentscheidung
Kontakt zur h_da-Wissenschaftsredaktion
Christina Janssen
Wissenschaftsredakteurin
Hochschulkommunikation
Tel.: +49.6151.533-60112
E-Mail: christina.janssen@h-da.de
Fotografie: Samira Schulz
Infos zu den Studiengängen
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Website Studiengang Kommunikationsdesign