Deutsch lernen mit KI und Avataren

Gruppe von Studierenden, die mit VR-Brillen experimentieren
Virtuell eintauchen in andere Sprachwelten

Sprachlabor war gestern. Heute lernen Studierende Fremdsprachen per Virtual Reality und Avatar. Wissenschaftler und Lehrende der h_da haben mit Unterstützung der Ludwig-Maximilians-Universität München eine innovative Sprachlern-App entwickelt, mit der internationale Studierende dank KI und Virtual Reality besser und spannender Deutsch lernen sollen. Parallel wurden am Sprachenzentrum der h_da neue Lernformate auf Grundlage der Lernplattform „Deutsch-Uni Online“ konzipiert und erprobt. Gefördert wurde das Projekt von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.

Von Astrid Ludwig, 23.2.2026

Paul Grimm ist sicher: „Fremdsprachen lernen sich am besten im Land selbst.“ Doch das ist nicht immer möglich – und so setzten sich der Professor am Fachbereich Media der Hochschule Darmstadt und sein Doktorand Andreas Fuchs das Ziel, Deutschlernenden zumindest das Gefühl zu vermitteln, sie säßen im Bus oder im Café in Darmstadt, München oder Frankfurt ins Gespräch mit Einheimischen vertieft. „Die Idee war, eine App zu entwickeln, die Studierende ganz authentisch eintauchen lässt in diese Welt“, so Grimm. Interaktive Rollenspiele im Sprachkurs sind eine Möglichkeit, doch das reichte den Media-Wissenschaftlern nicht. Schließlich lehrt der Professor an der h_da Virtual und Augmented Reality.

Sein Team entwickelte in enger Zusammenarbeit mit dem Sprachenzentrum der Hochschule eine App, die Studierende in virtuelle Welten versetzt. Die VR-Brille aufgesetzt – und schon verabreden sich Sprachenlernende im Restaurant, kochen gemeinsam oder unterhalten sich mit deutschen Mitstudierenden. Atmosphärische Szenen, in denen 3D-Avatare als Gesprächspartner agieren und abwechslungsreiche Dialoge durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz generiert und ausgewertet werden. „Eine Lernumgebung, die Schutz und Sicherheit bietet, sodass Studierende ohne Nervosität oder Hemmungen sprechen können – und ohne die Angst, Fehler zu machen oder gar ausgelacht zu werden“, erklärt Doktorand Andreas Fuchs. Hinzu kommt, dass Lehrende mit der App ganz unkompliziert eigene neue Lehrinhalte und Geschichten kreieren können.

Begehrte Fördermittel

Deutsch lernen mit VR-Brille – das ist neu. Der innovative Ansatz ist Teil des Projektes „DaF2L: Deutsch als Fremdsprache lehren und lernen“, für das die Hochschule Darmstadt im Rahmen der Ausschreibung „Freiraum 2023“ zwei Jahre lang von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert wurde. Lehrende des h_da-Sprachenzentrums und des Fachbereiches Media arbeiteten zusammen mit Kollegen und Kolleginnen der Lernplattform Deutsch-Uni Online und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Das Sprachenzentrum der h_da hat den Praxisteil für die Tutoren-Ausbildung der LMU übernommen“, erläutert Projektleiterin Dr. Stefanie Morgret vom Sprachenzentrum. Dabei hatten einige Studierende des LMU-Masterstudiengangs „Deutsch als Fremdsprache“ die Möglichkeit, während der Präsenzphase ihrer Qualifizierung als Online-Tutor*innen an h_da-Deutschkursen teilzunehmen und die am Mediencampus entwickelten neuen Lehrmethoden zu testen und zu evaluieren.

Insgesamt 390.000 Euro hat die h_da für die Entwicklung und Erprobung dieser neuen Lernformate, die Entwicklung der VR-basierten Konzepte und die Umsetzung des Praxisteils erhalten. „Eine Förderung, an die sonst nur sehr schwer heranzukommen ist“, berichtet Morgret, die am Sprachenzentrum der h_da als Koordinatorin und Lehrende im Bereich Deutsch als Fremdsprache arbeitet. Gleichzeitig ist sie dort im Rahmen der europäischen Hochschulallianz „European University of Technology“ (EUT+) auch für den Bereich „Mehrsprachigkeit und Interkulturalität“ zuständig.

Mangel an Personal ausgleichen

Übergeordnetes Ziel des Projekts „DaF2L“ war es, die Deutschlernangebote für internationale Studierende zu erweitern und zu verbessern. Gleichzeitig sollten die Kompetenzen von Lehrkräften ausgebaut und die Lehre optimiert werden. Stefanie Morgret und ihre Kollegin Uta Hameister hoffen aber auch auf einen weiteren Effekt: „Wir wollen den Personalmangel in diesem Sprachbereich ausgleichen. Speziell für Deutsch als Fremdsprache ist es schwer, Lehrende zu finden“, berichten sie.

So funktioniert die neue h da Sprachlernapp


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Die h_da gehört zu den neun europäischen Hochschulen der EUT+-Allianz und Deutschkurse sind bei den internationalen Studierenden gefragt. So werden im Darmstädter Sprachenzentrum in der Regel elf Kurse für Deutsch als Fremdsprache zeitgleich angeboten, in Form von Intensiv- und Extensiv-Kursen. „Dabei wird eine immer größere Nachfrage nach flexibleren Kursangeboten deutlich“, so Morgret. Mit der Lernplattform Deutsch-Uni Online seien daher auch Konzepte mit einem größeren Anteil an tutorieller Lehre erprobt worden, die von den internationalen Studierenden sehr positiv bewertet wurden, berichtet die Projektleiterin.

Eigene Lehrinhalte kreieren

Interessant ist das neue h_da-Sprachtool nicht allein wegen seiner virtuellen Welten. Wie Prof. Dr. Paul Grimm und Entwickler Andreas Fuchs betonen, hat das Team eine ergänzende Web-Anwendung kreiert, mit der Lehrende selbst ihre Texte für Sprachübungen erschaffen können. Mit dem Editor können Szenarien leicht ergänzt und variiert werden. „Lehrende können sich Geschichten oder Dialoge auch gezielt für unterschiedliche Lehrniveaus ausdenken“, so Grimm. Sie werden manuell in die App eingegeben und innerhalb weniger Minuten in Lernformate umgesetzt. „KI-unterstützt können außerdem weitere Vorschläge entwickelt werden“, sagt Fuchs. Neue Storys sind so ganz einfach anzupassen und Lernsituationen nie gleich oder monoton. „Das Lernen wird spannender und abwechslungsreich“, ist Andreas Fuchs überzeugt. Ziel ist dabei immer, dass die internationalen Studierenden ins Gespräch kommen und einen Redefluss entwickeln können.

Zwei Jahre hat das Media-Team der h_da an dieser App gearbeitet, zunächst einen Prototyp entwickelt, der stetig fortentwickelt wurde und noch weiter entwickelt werden kann. „Das Tool kann ergänzt werde mit neuen Ideen, Formaten und auch Sprachen“, sagt Fuchs. „Eine wahre Spielwiese und zusammen mit der KI sehr spannend für das Sprachenzentrum“, freut sich Stefanie Morgret.

Studierende haben Spaß

Die Studierenden jedenfalls haben viel Spaß am Unterricht mit VR-Brille, App und Avatar. Sie haben das Gefühl, in realen Szenarien und Umgebungen präsent zu sein, berichtet die h_da-Expertin. „Das ist ganz anders, als mit Buch oder am Bildschirm zu lernen, eher wie das Gespräch mit einem Muttersprachler.“ Studierende und Lehrende der Münchener Universität haben im Seminar Mediendidaktik das Projekt ausführlich didaktisch begleitet. „Die Evaluationsergebnisse waren sehr gut“, berichtet Stefanie Morgret. „Es ist ein anderes Arbeiten, sehr modern und gerade auch für Lehrende eröffnen sich neue Möglichkeiten“, so ihr Fazit. Das Tool beinhaltet eine sehr praktische Anwendung - auch wenn manche Studierende sich erst noch an den Umgang mit VR-Brillen gewöhnen müssen. „Doch je höher das Lernniveau umso größer ist die Begeisterung“, stellt Uta Hameister fest.

Die Beteiligten haben das Projekt DaF2L mittlerweile bei internationalen Konferenzen, zuletzt im Februar auf Zypern, und auch bei einem Workshop und einer Podiumsdiskussion an der h_da erfolgreich einem größeren Publikum vorgestellt. „Unterdessen erreichen uns viele Anfragen“, freuen sich Stefanie Morgret und Uta Hameister über die Resonanz. Häufig von Seiten der EUT+-Hochschulen, da die App sich auch auf andere Fremdsprachen erweitern lässt: „Wir sind sehr gespannt, was mit neuen Ideen und Expertisen daraus noch alles entstehen wird.“

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Christina Janssen
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